Antragstellung und Hilfeplanung:

Grundsätzlich kann eine Hilfe nur dann gewährt werden, wenn ein Antrag auf Jugendhilfe gestellt wird und dieser auch vom Jugendamt bewilligt wird.
Wenn das Jugendamt für dich oder deine Familie eine Jugendhilfe für nötig ansieht, wird eine geeignete Hilfe gesucht und eingeleitet und das Jugendamt wird die entstehenden Kosten übernehmen. Ob und welche Kosten auf dich oder deine Eltern zukommen können, muss das Jugendamt im Vorfeld mitteilen. In der Regel sind die Hilfen einer Wohnform außerhalb des Elternhauses auch kostenpflichtig, d. h. je nach Einkommen muss zu den Kosten beigetragen werden.

Deine Mitsprache bei der Auswahl der Hilfeart:
Nachdem die Mitarbeiter/innen des Jugendamtes sich ein Bild von der Situation gemacht haben und sich intern abgesprochen haben, schlagen sie dir und deinen Eltern eine passende und geeignete Hilfe vor. Du und deine Eltern müssen bei der Auswahl der Dienste, Einrichtung oder der Pflegestelle beteiligt werden.§§§ ->
Die Mitarbeiter/innen des Jugendamtes haben viel Erfahrung darin einzuschätzen, welche Hilfen für dich und deine Eltern sinnvoll sein können. Solltest du aber der Meinung sein, dass die Hilfe für dich und deine Eltern absolut nicht geeignet ist, melde dich zu Wort.

Deine Mitsprache bei der Auswahl des Anbieters:
Es gibt unterschiedliche Anbieter, d.h. Träger, Einrichtungen und Personen, die diese Hilfen anbieten. Du hast ein Wunsch- und Wahlrecht, das es dir erlaubt, deine Wünsche zu äußern, d.h. dir unterschiedliche Anbieter anzusehen und aus dem bestehenden Angebot auszuwählen.§§§ ->.
Sieh dir mehrere Heime, Wohngruppen, Pflegeeltern oder Therapeuten etc. an.
Damit du dich besser entscheiden kannst, ist es oft sinnvoll, die Betreuer und die anderen Jugendlichen kennen zu lernen. Manchmal besteht auch die Möglichkeit in einer Einrichtung „Probe“ zu wohnen. Nutze die Gelegenheit! Es geht schließlich um dich und dein Leben. Sollte das Jugendamt dir keine Möglichkeit geben dich zu orientieren und auszuwählen, frage gezielt danach.
Mit der Promix-Suchmaschine kannst du auch selbst nach geeigneten Einrichtungen suchen:

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Deine Beteiligung an dem entscheidenden gemeinsamen Gespräch (Hilfekonferenz):
Wenn die Entscheidung ansteht, bzw. wenn bereits feststeht, wie die Hilfe genau aussehen soll, z.B. wo du in Zukunft wohnen wirst, wird eine Hilfekonferenz einberufen. Dann setzen sich alle Beteiligten zusammen. Das sind in der Regel:

  • Mitarbeiter/innen des Jugendamtes
  • evtl. Mitarbeiter/innen einer Kriseneinrichtung oder Beratungsstelle, die dich dort kennen gelernt haben
  • deine zukünftige/n Betreuungsperson/en
  • deine Eltern, wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist
  • natürlich du
  • und evtl. Personen deines Vertrauens, die du dabei haben möchtest.

Bei dieser Hilfekonferenz wird darüber gesprochen, wie diese Hilfe genau aussehen soll, wann sie beginnen, wie lange sie voraussichtlich dauern soll und vor allem was in dem Zwischenraum passieren soll. Deshalb wird dieser Prozess auch Hilfeplanung genannt.
Hilfekonferenzen werden dich während einer Jugendhilfemaßnahme begleiten. Sie werden regelmäßig stattfinden, um die gemeinsam vereinbarten Ziele zu überprüfen oder sie auch mal zu ändern, wenn es nötig ist. Sie können aber auch unregelmäßig stattfinden. Das passiert immer dann, wenn eine Jugendhilfe nicht „glatt“ abläuft. Diese „außerordentlichen“ Hilfekonferenzen können von allen Beteiligten einberufen werden – also auch von dir, wenn du mit irgendetwas, was die Hilfe angeht, nicht einverstanden bist und sich dieses Problem nur in einer Konferenz lösen lässt.

Das Jugendamt spricht häufig vom Hilfeplan.
Der Hilfeplan beginnt bei der Hilfeeinleitung und endet bei der Beendigung der Jugendhilfe. Er wird gemeinsam mit Dir aufgestellt beziehungsweise erarbeitet. Meistens wird in der ersten Hilfekonferenz der „grobe“ Hilfeplan für die gesamte Jugendhilfe festgelegt. Dabei geht es um Ziele, wer was dazu beizutragen hat, wer was tut, etc.. Jede/r Beteiligte muss diesen Hilfeplan unterschreiben und erhält eine Kopie des Hilfeplans.
Du solltest darauf achten, dass der Hilfeplan auch deine Meinung zu der geplanten Jugendhilfe enthält. Genauso wie deine Eltern hast du das Recht und die Pflicht zur Mitwirkung. §§§ -> Sollten deine Wünsche, obwohl du sie sachlich vertreten hast, in dem Hilfeplan nicht berücksichtigt werden, wende dich an den Zuständigen oder die Zuständige beim Jugendamt. Wenn das nicht funktioniert, dann wende dich an uns!

Deine Beteiligung an der Entscheidung über die Weiterführung der Hilfe:
Mit der Einleitung der Hilfe ist schon ein wichtiger Schritt zur Verbesserung deiner Situation geschafft. Damit jedoch sicher gestellt ist, dass die Hilfe immer auch deiner Situation, deinen Wünschen und deinem Entwicklungsstand angepasst ist, findet regelmäßig eine Überprüfung statt. Dann wird gemeinsam mit dir, deinen Eltern, deinen Betreuern und dem Jugendamt geschaut, ob die Hilfe noch notwendig und geeignet ist. Vielleicht hat sich ja die Situation zwischen dir und deinen Eltern etwas entspannt und die Probleme sind nicht mehr so groß, so dass du wieder zu Hause wohnen kannst. Oder du bist inzwischen selbständig genug, dass du keine Hilfe vom Jugendamt mehr benötigst. Es kann sein, dass die Meinungen über die Weiterführung auseinander gehen, d.h. das Jugendamt hat eine andere Meinung als du oder deine Eltern. Lasse dir in dieser Situation die Gründe vom Jugendamt erklären und vertrete dort deinen Standpunkt. Auch hier hast du ein Recht auf Beteiligung und Mitwirkung §§§ -> und §§§ ->.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes sind sehr daran interessiert eine passende Lösung genau für dein bzw. eure Probleme zu finden. Das nennt man Einzelfallorientierung. Aus diesem Grund soll das Hilfeplanverfahren auch an deine oder eure besondere Situation angepasst werden. 

 

§ 36 Abs. 1 SGB VIII Der Personensorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche sind vor der Entscheidung über die Inanspruchnahme einer Hilfe und vor einer notwendigen Änderung von Art und Umfang der Hilfe zu beraten und auf die möglichen Folgen für die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen hinzuweisen. Vor und während einer langfristig zu leistenden Hilfe außerhalb der eigenen Familie ist zu prüfen, ob die Annahme als Kind in Betracht kommt. Ist Hilfe außerhalb der eigenen Familie erforderlich, so sind die in Satz 1 genannten Personen bei der Auswahl der Einrichtung oder der Pflegestelle zu beteiligen. Der Wahl und den Wünschen ist zu entsprechen, sofern sie nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind. Wünschen die in Satz 1 genannten Personen die Erbringung einer in § 78a genannten Leistung in einer Einrichtung, mit deren Träger keine Vereinbarungen nach §78b bestehen, so soll der Wahl nur entsprochen werden, wenn die Erbringung der Leistung in dieser Einrichtung nach Maßgabe des Hilfeplans nach Absatz 2 geboten ist.
§ 5 Abs. 1 SGB VIII Die Leistungsberechtigten haben das Recht, zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger zu wählen und Wünsche hinsichtlich der Gestaltung der Hilfe zu äußern. Sie sind auf dieses Recht hinzuweisen.
§ 36 Abs. 1 u. 2 SGB VIII (1) Der Personensorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche sind vor der Entscheidung über die Inanspruchnahme einer Hilfe und vor einer notwendigen Änderung von Art und Umfang der Hilfe zu beraten und auf die möglichen Folgen für die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen hinzuweisen. Vor und während einer langfristig zu leistenden Hilfe außerhalb der eigenen Familie ist zu prüfen, ob die Annahme als Kind in Betracht kommt. Ist Hilfe außerhalb der eigenen Familie erforderlich, so sind die in Satz 1 genannten Personen bei der Auswahl der Einrichtung oder der Pflegestelle zu beteiligen. Der Wahl und den Wünschen ist zu entsprechen, sofern sie nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind. Wünschen die in Satz 1 genannten Personen die Erbringung einer in § 78a genannten Leistung in einer Einrichtung, mit deren Träger keine Vereinbarungen nach §78b bestehen, so soll der Wahl nur entsprochen werden, wenn die Erbringung der Leistung in dieser Einrichtung nach Maßgabe des Hilfeplans nach Absatz 2 geboten ist. (2) Die Entscheidung über die im Einzelfall angezeigte Hilfeart soll, wenn Hilfe voraussichtlich für längere Zeit zu leisten ist, im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte getroffen werden. Als Grundlage für die Ausgestaltung der Hilfe sollen sie zusammen mit dem Personensorgeberechtigten und dem Kind oder dem Jugendlichen einen Hilfeplan aufstellen, der Feststellungen über den Bedarf, die zu gewährende Art der Hilfe sowie die notwendigen Leistungen enthält; sie sollen regelmäßig prüfen, ob die gewählte Hilfeart weiterhin geeignet und notwendig ist. Werden bei der Durchführung der Hilfe andere Personen, Dienste oder Einrichtungen tätig, so sind sie oder deren Mitarbeiter an der Aufstellung des Hilfeplans und seiner Überprüfung zu beteiligen.
§ 8 Abs. 1 SGB VIII (1) Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Sie sind in geeigneter Weise auf ihre Rechte im Verwaltungsverfahren sowie im Verfahren vor dem Familiengericht, dem Vormundschaftsgericht und dem Verwaltungsgericht hinzuweisen.

 

BRJ

Sollten deine Wünsche und Rechte nicht berücksichtigt werden, obwohl du sie sachlich vertreten hast, wende dich an uns!

Antrag auf Jugendhilfe:

Grundsätzlich kann eine Hilfe nur dann gewährt werden, wenn ein Antrag auf Jugendhilfe gestellt wird. Dieser kann nur von deinem/n Personensorgeberechtigten gestellt werden oder von dir selbst, wenn du 18 Jahre alt oder älter bist. Das Jugendamt prüft die Anträge indem es deinen Hilfebedarf prüft. Der Hilfebedarf ist entscheiden für die Antragsbewilligung. Meist werden solche Anträge bewilligt. Es kann jedoch vorkommen, dass das Jugendamt keinen Hilfebedarf bei dir oder deiner Familie erkennt, oder dass die bewilligte Hilfe nicht deinen oder den Vorstellungen deiner Eltern entspricht. Wenn dir dies nicht gerechtfertigt erscheint, kann innerhalb eines Monats gegen den Bescheid Widerspruch eingelegt werden. Den Widerspruch kann man auch mündlich beim Jugendamt zu Protokoll geben. Sinnvoller ist es jedoch sich Unterstützung zu holen. Wenn du und/oder deine Eltern Widerspruch gegen einen Bescheid vom Jugendamt einlegen wollen, wende dich an uns! Das Jugendamt muss auf einen Widerspruch innerhalb von drei Monaten schriftlich reagieren. Wenn du und/oder deine Eltern mit der Entscheidung des Jugendamtes immer noch nicht einverstanden seid oder die Entscheidung zu lange dauert, besteht die Möglichkeit einer Klage.

Kosten:

Die Kosten für Angebote der Jugendhilfe werden in der Regel vom Jugendamt getragen. Es gibt jedoch Angebote, bei denen sich die Betroffenen an den Kosten beteiligen müssen, z.B. an stationären Hilfen zur Erziehung (Unterbringung außerhalb der Familie) oder bei einer teilstationären Hilfe in Form von einer sozialpädagogischen Tagesgruppe. Die Höhe der Kostenbeteiligung errechnet das Jugendamt anhand des Einkommens der Un-terhaltsverpflichteten (i.d.R. der Eltern). Das Kindergeld für das betroffene Kind muss immer eingebracht werden. Darüber hinaus zahlen Familien mit geringem Einkommen jedoch nichts oder nur sehr geringe Beiträge.

Wunsch- und Wahlrecht:

Das Jugendamt muss deine Wünsche berücksichtigen, wenn keine fachlichen Gründe gegen deine Wahl sprechen oder, das was du möchtest viel teurer ist als das, was das Jugendamt vorschlägt.

Hilfeplan:

Der Hilfeplan enthält wichtige Informationen über die Ausgangssituation für eine Hilfe, die Gründe für die Einleitung einer Hilfe, die Hilfeart, den Anbieter, Angaben über Beginn und Dauer der Hilfe, die Ziele der Hilfe, die Pflichten der Beteiligten und den Zeitpunkt der nächsten Überprüfung.