Inobhutnahme:

In Obhut nehmen bedeutet, dass das Jugendamt sofort dafür sorgt, dass du an einem Ort untergebracht werden kannst, an dem du sicher und geborgen bist!
Das heißt, dass du dort

  • einen Platz zum Schlafen hast
  • eine gute Versorgung erhältst (Essen, Kleidung, ggf. ärztliche Behandlung, usw.)
  • eine fachliche Beratung und Unterstützung erhältst, ob und wie es mit dir und deinen Eltern weitergehen könnte.

Voraussetzung ist, dass du unter 18 Jahre alt bist.
Diese Inobhutnahme ist sehr genau gesetzlich geregelt.§§§ ->
Sie soll nur solange dauern, bis gemeinsam mit den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern vom Jugendamt geklärt ist, wie es weiter gehen soll.
Du kannst dich direkt an eine Kriseneinrichtung wenden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Erfahrung in solchen Situationen und unterstützen dich beim weiteren Vorgehen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Krisendienste und Einrichtungen. Erkundige dich wenn möglich im Vorfeld welche Möglichkeiten für eine vorläufige Unterbringung es in deinem Umfeld gibt. http://www.jugendnotdienst-berlin.de/

Ablauf:
Sobald klar ist, dass du in Obhut genommen wirst, werden deine Eltern benachrichtigt. Wenn deine Eltern sich nicht einverstanden erklären, dass du erstmal dort bleiben kannst, muss geklärt werden, ob du nach Hause zurück kannst oder nicht. Hierbei werden dich die Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter des Jugendamtes und / oder die des Krisendienstes unterstützen, indem sie mit dir und deinen Eltern reden. Meistens gibt es dann eine Lösung. Wenn deine Eltern aber hartnäckig vertreten, dass du wieder nach Hause kommen sollst und du das auf keinen Fall willst, muss das Familiengericht eingeschaltet werden. Das machen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Wie es dann weitergeht entscheidet das Familiengericht und solange musst du erstmal nicht nach Hause zurück. Vor dem Familiengericht hast du auf jeden Fall ein Anhörungsrecht und du wirst vom Jugendamt unterstützt.
Sobald du in einer Inobhutnahmestelle bist kannst du eine oder mehrere Personen benachrichtigen, die du schon länger kennst und denen du vertraust. Diese können und sollten auch den Kontakt mit den Sozialarbeiter/innen des Krisendienstes aufnehmen.
Während du in der Inobhutnahmestelle bist, versuchen die Betreuer/innen dort gemeinsam mit dir zu klären, welche Probleme und Konflikte es gibt. Gemeinsam mit den Mitarbeiter/innen des Jugendamtes wird dann beraten, welche Möglichkeiten es gibt, dir und deinen Eltern zu helfen. Es gibt unterschiedliche Hilfsmöglichkeiten, die dir angeboten werden können. Gemeinsam wählt ihr eine geeignete Hilfe aus. Diesen Ablauf nennt man Hilfeplanverfahren.

 

§ 42 SGB VIII
(1) Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn
1. das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder
2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert und
a) die Personensorgeberechtigten nicht widersprechen oder
b) eine familiengerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann oder
3. ein ausländisches Kind oder ein ausländischer Jugendlicher unbegleitet nach Deutschland kommt und sich weder Personensorge- noch Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten.
Die Inobhutnahme umfasst die Befugnis, ein Kind oder einen Jugendlichen bei einer geeigneten Person, in einer geeigneten Einrichtung oder in einer sonstigen Wohnform vorläufig unterzubringen; im Fall von Satz 1 Nr. 2 auch ein Kind oder einen Jugendlichen von einer anderen Person wegzunehmen.
(2) Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme die Situation, die zur Inobhutnahme geführt hat, zusammen mit dem Kind oder dem Jugendlichen zu klären und Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung aufzuzeigen. Dem Kind oder dem Jugendlichen ist unverzüglich Gelegenheit zu geben, eine Person seines Vertrauens zu benachrichtigen. Das Jugendamt hat während der Inobhutnahme für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zu sorgen und dabei den notwendigen Unterhalt und die Krankenhilfe sicherzustellen. Das Jugendamt ist während der Inobhutnahme berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes oder Jugendlichen notwendig sind; der mutmaßliche Wille der Personensorge- oder der Erziehungsberechtigten ist dabei angemessen zu berücksichtigen.
(3) Das Jugendamt hat im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten unverzüglich von der Inobhutnahme zu unterrichten und mit ihnen das Gefährdungsrisiko abzuschätzen. Widersprechen die Personensorge- oder Erzie-hungsberechtigten der Inobhutnahme, so hat das Jugendamt unverzüglich
1. das Kind oder den Jugendlichen den Personensorge- oder Erziehungsberechtigten zu übergeben, sofern nach der Einschätzung des Jugendamts eine Gefährdung des Kindeswohls nicht besteht oder die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten bereit und in der Lage sind, die Gefährdung abzuwenden oder
2. eine Entscheidung des Familiengerichts über die erforderlichen Maßnahmen zum Wohl des Kindes oder des Jugendlichen herbeizuführen.
Sind die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten nicht erreichbar, so gilt Satz 2 Nr. 2 entsprechend. Im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 3 ist unverzüglich die Bestellung eines Vormunds oder Pflegers zu veranlassen. Widersprechen die Personensorgeberechtigten der Inobhutnahme nicht, so ist unverzüglich ein Hilfeplanverfahren zur Gewährung einer Hilfe einzuleiten.
(4) Die Inobhutnahme endet mit
1. der Übergabe des Kindes oder Jugendlichen an die Personensorge- oder Erziehungsberechtigten,
2. der Entscheidung über die Gewährung von Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch.
(5) Freiheitsentziehende Maßnahmen im Rahmen der Inobhutnahme sind nur zulässig, wenn und soweit sie erforderlich sind, um eine Gefahr für Leib oder Leben des Kindes oder des Jugendlichen oder eine Gefahr für Leib oder Leben Dritter abzuwenden. Die Freiheitsentziehung ist ohne gerichtliche Entscheidung spätestens mit Ablauf des Tages nach ihrem Beginn zu beenden.
(6) Ist bei der Inobhutnahme die Anwendung unmittelbaren Zwangs erforderlich, so sind die dazu befugten Stellen hinzuzuziehen.

 

BRJ

Sollten deine Wünsche und Rechte nicht berücksichtigt werden, obwohl du sie sachlich vertreten hast, wende dich an uns!

Kriseneinrichtung:

Das Jugendamt ist verpflichtet ein Kind oder Jugendlichen in Obhut zu nehmen, wenn diese darum bitten. Die Unterbringung kann bei einer geeigneten Person oder in einer Einrichtung des Jugendamtes erfolgen. Je nach Situation kann die Unterbringung für einige Stunden oder Tage erfolgen. Kinder und Jugendliche können sich selbst an das Jugendamt oder direkt an Notdienste / Krisendienste wenden. Die zentralen Notdienste in Berlin sind: · Kindernotdienst (bis 14 Jahre) Telefon 61 00 61 · Jugendnotdienst (ab 14 Jahre) Telefon 61 00 62 · Mädchennotdienst Telefon 61 00 63 oder 34 999 333

Familiengericht:

Das Familiengericht ist das zuständige Gericht für Rechtsangelegenheiten der Familie. Es befasst sich hauptsächlich mit den Regelungen der Ehescheidung und des Sorgerechtes. Es ist auch die für das Jugendamt zuständige Stelle, wenn es eine Kindeswohlgefährdung sieht und Einschränkungen der Personensorge für erforderlich hält. Eine solche Entscheidung kann das Jugendamt nicht selbst treffen, sondern muss es beim Familiengericht beantragen.

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